Autor: hollinek
Erstellt am: 25.10.2011, 10:40
Bearbeitet am: 25.10.2011, 10:42
Rund 1,7 Millionen ÖsterreicherInnen leiden an chronischen Schmerzen. Bei PflegeheimbewohnerInnen sind es etwa 60 bis 80%. Gerade die ältere Generation ist oft aufgrund kognitiver Beeinträchtigungen nicht mehr fähig, Schmerz zu äußern oder nimmt den Schmerz als „gottgewollt“ hin. Das hat weitreichende Folgen für die Lebensqualität. Depressionen können eintreten und akuter Schmerz kann unbehandelt chronifizieren. SeneCura ist der Ansicht: Schmerz muss nicht sein! Daher startet die Gruppe im Herbst 2011 ein gemeinsames Projekt mit der Paracelsus Medizinischen Universität zu Schmerzerkennung, -management und -vermeidung bei älteren Menschen: „Schmerzfreies Pflegeheim“. Erstmals wird das Schmerzmanagement in Pflegeheimen österreichweit wissenschaftlich evaluiert.
Studien gehen davon aus, dass 60 bis 80 Prozent der PflegeheimbewohnerInnen mit chronischen Schmerzen kämpfen – und dass ein großer Teil von ihnen keine adäquate Therapie erhält, da ihre Schmerzen oft nicht erkannt werden und die Schmerzstärke generell unterschätzt wird. „Auch und gerade ältere Menschen haben ein Anrecht auf die optimale Schmerztherapie. Denn Schmerzen führen auch zu seelischem Leid. So zeigen ältere SchmerzpatientInnen oftmals eine negative Einstellung zum Alter, sind niedergeschlagen und pessimistisch und können den Alltag nur schwer bewältigen. SeneCura hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität und Lebensfreude der älteren Generation in Österreich zu verbessern. Schmerz hat großen Einfluss auf das Wohlfühlen, deshalb ist Schmerzfreiheit unser Schwerpunkt der nächsten Jahre“, erklärt Prof. Rudolf Öhlinger, Geschäftsführer SeneCura. SeneCura ist der erste Pflegeheimbetreiber, der dieses Thema wissenschaftlich untersucht und praktisch umsetzt – und wird hier neue Standards setzen. „Selbstverständlich werden wir unsere Erkenntnisse öffentlich zugänglich machen – so werden auch andere Einrichtungen und somit die Pflegebedürftigen in ganz Österreich von unserem Projekt profitieren“, betont Öhlinger.
„Im Durchschnitt dauert es 2,5 Jahre, bis die Diagnose ‚chronischer Schmerz‘ feststeht und eine optimale Therapie einsetzen kann. Hier können wir sehr viel bewirken – durch eine angemessene, den Erkenntnissen der modernen Schmerztherapie entsprechende Behandlung können vielen Betroffenen vermeidbare Schmerzen erspart und vorhandene Schmerzen gelindert werden“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg und wissenschaftlicher Projektleiter von „Schmerzfreies Pflegeheim“. Das dreijährige Forschungsprojekt mit dem wissenschaftlichen Titel „Optimierung des Schmerzmanagements in Altenpflegeheimen“ (OSiA) analysiert vorerst in zwölf SeneCura Häusern in ganz Österreich das bestehende Schmerzmanagement und seine Effizienz. „Wir freuen uns auf die intensive Forschungsarbeit mit Pflegenden und BewohnerInnen direkt in den SeneCura Einrichtungen. Denn neben einer systematischen Schmerzerfassung und Dokumentation ist eine enge interdisziplinäre Kommunikation unverzichtbare Voraussetzung zur Umsetzung einer optimalen Schmerztherapie“, bekräftigt Osterbrink.
Die einzelnen Schritte des Forschungsprojektes sind eine genaue Analyse der Ausgangssituation in den SeneCura Häusern, die Ableitung von Optimierungspotenzialen – daraus Planung und Durchführung von Interventionen – und die Evaluation der Situation nach der Intervention. „Die Schmerzerfassung ist der erste wesentliche Schritt für die Einleitung angemessener schmerztherapeutischer Interventionen. Hier ist zu bedenken, dass ältere Menschen im Pflegeheim teilweise unter kognitiven Einschränkungen leiden. Gerade bei dementen BewohnerInnen kann nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sie ihren Schmerz selbst einschätzen und beschreiben können“, erklärt Osterbrink. Daher wird im Rahmen der Studie eine Stichprobe mit Pflegenden und BewohnerInnen anhand quantitativer Instrumente zu Schmerz befragt und gleichzeitig werden schmerzrelevante medizinische Daten erhoben. Die Datenerhebung beinhaltet Selbst- und Fremdeinschätzungen, und auch die Beobachtung durch das Projektteam. Selbstverständlich müssen die Befragten vorab ihr schriftliches Einverständnis abgeben, und auch alle weiteren ethischen Grundsätze werden genauestens befolgt und extern überprüft. Berücksichtigt werden die Anonymität der TeilnehmerInnen, ihre informierte Zustimmung, die Freiwilligkeit, das Recht auf Abbruch der Teilnahme sowie der Schutz vor Schäden. Die TeilnehmerInnen sind älter als 60 Jahre, nehmen Langzeitpflege in Anspruch, sind nicht in akuten Erkrankungssituationen oder geistig mehrfach behindert.
„SeneCura ist der erste private Pflegeheimbetreiber, der sich wissenschaftlich und strukturiert mit Schmerzerkennung, Schmerzmanagement und Schmerzvermeidung auseinandersetzt und wird mit dem Projekt „Schmerzfreies Pflegeheim“ einen neuen Standard setzen. Im Dienste unserer BewohnerInnen werden wir die Erkenntnisse der Studie für ein optimales Schmerzmanagement einsetzen. Auch den Informationsaustausch zwischen Pflegenden, ÄrztInnen, TherapeutInnen und BewohnerInnen gilt es zu optimieren, denn direkte Kommunikation ist ein wesentlicher Faktor im Umgang mit Schmerz“, so Öhlinger. Daher wird SeneCura im Jänner 2012 einen hochkarätig besetzten Schmerzbeirat konstituieren. Nicht nur die Lebenssituation der BewohnerInnen soll nachhaltig verbessert werden. Auch die Qualifikation der SeneCura MitarbeiterInnen steht im Fokus des Projektes: So werden 100 SeneCura MitarbeiterInnen zu speziellen „Pain Nurses“ ausgebildet und die pflegerischen Kompetenzen im Schmerzmanagement verbessert. Neue Tools zur Schmerzerfassung und -dokumentation werden eingeführt und maßgeschneiderte Schmerztherapien je nach Bedarf der BewohnerInnen entwickelt. Einige SeneCura Häuser werden als Lehrheime das erworbene Wissen weitertragen.
Betroffene selbst berichten oftmals nicht über ihre Schmerzen. Die häufigsten Gründe dafür: das Betrachten und Akzeptieren von Schmerzen als Alterserscheinung, die Angst vor Nebenwirkungen oder Abhängigkeit von Medikamenten oder das Verschweigen des Schmerzes als Vorbote für eine vermutete schlimme Krankheit. „Kommunikation und Aufklärungsarbeit haben beim Thema Schmerz einen wichtigen Stellenwert. Denn Wissensdefizite bei allen Beteiligten sind oftmals der Grund für Defizite im Schmerzmanagement, genauso wie althergebrachte Mythen und Einstellungen zum Thema Schmerz – Stichwort: der Indianer kennt keinen Schmerz. Auch die Kommunikation und Kooperation mit den HausärztInnen ist oftmals optimierungsbedürftig. Ein breites Feld an Herausforderungen, dem wir uns gerne in den nächsten Jahren gemeinsam stellen“, so Osterbrink abschließend.