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ANGEHÖRIGENPFLEGE

Der plötzliche Pflegebedarf eines geliebten Menschen im Alter bedeutet einen massiven Veränderungsprozess. Wie pflegende Angehörige mit den damit verbundenen Herausforderungen umgehen können und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt - diesen Fragen ging die Volkshilfe Wien im Rahmen einer Fachveranstaltung im Wiener Votiv Kino nach. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen ein Vortrag über "Einsamkeit und soziale Isolation im Alter" sowie eine Podiumsdiskussion mit ExpertInnen zum Thema "Herausforderungen in der Angehörigenpflege". Im Anschluss lud die Volkshilfe Wien gemeinsam mit WEGA-Film zu einer Sondervorstellung des vielfach ausgezeichneten Films "Amour - Liebe" des österreichischen Regisseurs Michael Haneke.

"Ein Großteil der Menschen in Österreich entscheidet sich dafür, ihre Angehörigen selbst zu pflegen oder zumindest bei ihrer Pflege mitzuwirken", so die Vorsitzende der Volkshilfe Wien Prof.in Erika Stubenvoll in ihrer Begrüßung: "Wichtig dabei ist, dass sich pflegende Angehörige rechtzeitig professionelle Unterstützung holen, bevor sie an ihre Grenzen stoßen. Die Volkshilfe Wien bietet dafür vielfältige Hilfe an." Siehe auch Volkshilfe Österreich.

Über Einsamkeit, Fremdheit und soziale Isolation im Alter

Eine Verwitwung, schlechte Gesundheit und eingeschränkte Mobilität sowie eine starke Selbstbezogenheit würden zur Vereinsamung im Alter führen, erklärt Univ.-Prof. Dr. Franz Kolland vom Institut für Soziologie an der Universität Wien in seinem Referat. Soziale Isolation und Einsamkeit seien aber keine irreversiblen Phänomene: "In einer Partnerschaft zu leben, Kinder zu haben, zu denen emotional positive Beziehungen bestehen, Integration in ehrenamtliche bzw. soziale Aktivitäten, lange Wohndauer und Berufstätigkeit sind jene Faktoren, die Einsamkeit verringern," so Kolland. Betroffenen rät er, "die eigenen Erwartungen zu senken, mehr Netzwerke zu bilden und Stress zu reduzieren." Außerdem sei es auf institutioneller Ebene notwendig, mehr Gelegenheiten für Kontakt und Kommunikation zu schaffen.

Herausforderungen in der Angehörigenpflege

"Wenn aus Liebe Leid wird - Herausforderungen in der Angehörigenpflege", war das Thema der anschließenden Podiumsdiskussion.

"Wichtig ist, sich Unterstützung zu holen", rät Oberin Monika Pinaz, Fachbereichsleitung Pflege und Betreuung des Fonds Soziales Wien allen Angehörigen: "In Wien können sich alle diese Unterstützung leisten, unabhängig von Einkommen und Pflegegeld. In jedem Beratungszentrum Pflege und Betreuung des Fonds Soziales Wien können sich Menschen, die Angehörige pflegen, beraten lassen - zum Beispiel über Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern können und Pflegeangebote zu Hause."

Auch die Volkshilfe Wien bietet vielfältige Pflegedienstleistungen an - mit dem Ziel, ihren KlientInnen ein selbstbestimmtes Leben zu Hause in gewohnter Umgebung zu ermöglichen und gleichzeitig pflegende Angehörige zu entlasten. "Das Interesse an unseren Angeboten ist groß; allerdings wollen - oder vielleicht auch müssen - immer mehr Pflegebedürftige auf Unterstützung verzichten. Wir vermuten, dass zumindest ein Teil von ihnen das Pflegegeld nutzt, um damit den Lebensunterhalt finanzieren zu können.", befürchtet Sonja Kriz, Pflegedienstleiterin der Volkshilfe Wien.

"Rund die Hälfte der Pflegebedürftigen wird allein von ihren Angehörigen gepflegt", erklärte MMag. Martin Staudinger, Fachreferent im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz: "Neben dem Pflegegeld für Pflegebedürftige bieten wir zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen, die Angehörigenpflege erleichtern: Eine sozialversicherungsrechtliche Absicherung oder die Finanzierung von Ersatzpflege bei Urlaub oder Krankheit helfen dabei. Im künftigen Fokus liegen die bessere Vereinbarkeit mit Berufstätigkeit und die besondere Situation pflegender Kinder und Jugendlicher."

Prof. Dr. Veit Heiduschka, Produzent von "Amour - Liebe", von der WEGA-Filmproduktions-GmbH begrüßt, dass die Volkshilfe Wien dem Film zum Anlass für eine Diskussion "über das wichtige Thema des Altwerdens, der Einsamkeit und der sozialen Isolation im Alter" nimmt.

Die Volkshilfe Wien ist der führende Dienstleister im Auftrag der Stadt Wien im Bereich Pflege und Betreuung. Zu den Leistungen gehören der Heimhilfedienst, die Hauskrankenpflege, Essen auf Rädern, die Individuelle Betreuung dementer und psychisch kranker Menschen INDIBET, der Besuchsdienst, das Entlassungsmanagement und das Notruf-Telefon. Mehr als 1000 MitarbeiterInnen sind im Einsatz, um jährlich rund 4000 KlientInnen zu betreuen und zu pflegen. Fördergeber in allen Bereichen ist der Fonds Soziales Wien.
 

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Letzte Aktualisierung am: 22.03.2013, 15:43 




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