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HALLUX VALGUS

Nahezu jede zweite Österreicherin über 50 und auch viele Männer kennen die Beschwerden: Anlagebedingt und durch den jahrelangen Druck zu hoher, zu schmal zulaufender und zu enger Schuhe, weicht irgendwann das Grundgelenk der Großzehe nach außen. Diese Fußfehlstellung, in der Fachsprache "Hallux valgus" genannt, entsteht zumeist langsam und führt mit der Zeit zu einer zunehmenden ästhetischen und funktionellen Beeinträchtigung des Fußes.

Das Abknicken der Großzehe zum äußeren Fußrand verdrängt irgendwann die benachbarten Zehen. Als Folge können sich diese aufstellen und die Form einer Hammer- oder Krallenzehe annehmen. Durch den Kraftverlust der Großzehe kommt es später zu Überlastungsschmerzen der kleineren Mittelfußköpfchen mit schmerzhafter Schwielenbildung auf der Sohle.

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Der optimale Schuh

Solange sich die Fehlstellung des Vorfußes beim älteren Patienten nur optisch bemerkbar macht und weiche, weite Schuhen gute Entlastung bringen, muss die Fehlstellung nicht unbedingt operativ korrigiert werden.

Ganz wichtig dabei: "Nur flach alleine reicht bei Schuhen nicht aus. Sie sollten vorne breit genug und hinten mit guter Fersenbettung ausgestattet sein, um ausreichenden, wenngleich nicht übergroßen Halt zu gewähren", empfiehlt Orthopäde Dr. Andreas Gfrerrer, Oberarzt am Evangelischen Krankenhaus Wien. Entscheidend ist, die natürliche Abrollfunktion des Fußes beim Gehen nicht zu behindern. Auch gezielte Fuß- und Zehengymnastik, anfangs unterstützt durch einen Physiotherapeuten, sowie Tapen oder eine Schiene/Nachtlagerungsschiene können in einem frühen Stadium helfen.

Gute Gründe für eine Operation

Wann also operieren? Orthopäde Gfrerrer: "Stört der Hallux Valgus nur ästhetisch oder tritt der Druckschmerz nur hin und wieder auf, liegt kein zwingender Operationsgrund vor." Anders verhält es sich, wenn folgende Punkte oder die meisten davon zutreffen:

Kein modischer Schuh passt mehr, sondern scheuert am Ballen der Großzehe (Schuhkonflikt). Man hat keine Freude beim Gehen mehr, da schon kurze Wege quälen. Selbst gute Komfortschuhe schmerzen nach 15 bis 20 Minuten. Zumindest eine der kleineren Zehen ist durch den Platzmangel bereits deformiert und schmerzt ebenfalls beim Gehen. Der stechende Schmerz im Großzehengrundgelenk tritt auch beim Autofahren oder Sitzen immer wieder auf. Man leidet unter Auftrittsschmerzen mit Schwielenbildung an der Sohle. Dazu kommt, dass das veränderte Gangbild bei Hallux valgus mit der Zeit auch Auslöser starker Rückenschmerzen sein kann.

Altbekannt, aber bewährt

Beim Hallux valgus werden weit über 100 Operationstechniken beschrieben, die jeweils abhängig von Art und Ausmaß der Deformierung individuell gewählt werden müssen. Die verschiedenen Methoden haben auch einen Einfluss auf den Zeitpunkt der Rückkehr zu den gewohnten Alltags- und Berufsaktivitäten. Besonders bewährt in punkto Patientenzufriedenheit hat sich eine Behandlung, deren Grundstein bereits vor 30 Jahren gelegt wurde: die minimal-invasive Operationstechnik nach Prof. Bösch: Hier wird über zwei winzige Einstiche, die nicht einmal genäht werden müssen, durchs "Schlüsselloch" korrigiert. Bis heute (!) gilt diese Eingriffstechnik als besonders wenig belastend für den Patienten.

Vorteile

Der Eingriff in örtlicher Betäubung, die sehr geringe Wundgröße, das gedeckte, nicht offene Verfahren und der nur vorübergehende Verbleib des fixierenden Metallstiftes haben sich als große Vorteile für den Patienten bestätigt. Der Fuß kann gleich nach der Operation in einem Schuh mit steifer Sohle und ohne Gehhilfe wieder belastet werden, wodurch eine baldige Rückkehr zu Alltags- und sitzenden Berufsaktivitäten möglich ist.

"Daher können, wie oft erforderlich, beide Füße gleichzeitig operiert werden, weil man auch mit zwei operierten Füßen sofort belasten kann. Damit erspart man dem Patienten eine zweite Operation. Der Patient kann sich nach der Operation selbst versorgen, kann also alle täglichen Verrichtungen ohne fremde Hilfe durchführen", erklärt Prof. Dr. Peter Bösch, der Erfinder der Methode.

Weitere Fehlstellungen der kleineren Zehen sollten gleichzeitig korrigiert werden, was die Dauer des operativen Eingriffs, nicht aber die des Krankenstands verlängert. Der entscheidende Vorteil der gleichzeitigen Korrektur: "Wird nur die Hammerzehe saniert, weil die am meisten wehtut, riskiert man, dass diese nach einiger Zeit wiederkommt, da ja das Grundleiden – Hallux Valgus – nicht angegangen wurde", warnt Oberarzt Dr. Andreas Gfrerrer.

Nicht jede Operationstechnik ist für jeden Patienten optimal geeignet. Begleitumstände wie allgemeiner Gesundheitszustand, Lebensumstände und Freizeitgestaltung sind von Arzt und Patient in die Entscheidung miteinzubeziehen.

Internet-Tipps

Siehe auch


 

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Letzte Aktualisierung am: 27.04.2016, 15:26 




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