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NACHBARSCHAFTSHILFE

Bei der Wahl der idealen Pflege kommt möglicherweise auch Nachbarschaftshilfe in Frage. Dabei müssen allerdings alle Konstellationen stimmen, damit das gut gehen und von Dauer sein kann. Juristisch und finanzjuristisch betrachtet, gibt es den Begriff der "organisierten Nachbarschaftshilfe". Eine solche Hilfe muss unter Aufsicht und Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften erfolgen. Die Rechtsverhältnisse im Rahmen organisierter Nachbarschaftshilfe sind von Bundesland zu Bundesland bzw. von Organisation zu Organisation unterschiedlich.

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Beim Springer Verlag ist nun ein Buch von Sigrid Kallfaß (Hrsg.) erschien, das sich diesem Thema annimmt. Der (etwas sperrige Titel): "Altern und Versorgung im nachbarschaftlichen Netz eines Wohnquartiers - Zur Kooperation eines Altenhilfeträgers und einer Wohnbaugenossenschaft bei der quartiersbezogenen Gemeinwesenarbeit". 2015, 195 Seiten, Softcover. Auch als E-Book verfügbar.

Altern und Versorgung im nachbarschaftlichen Netz



„Bürgerschaftliches Engagement findet nicht nur in Initiativen, als freiwillig unbezahlte Einzelarbeit oder als Ehrenamt bei freien Trägern statt, sondern auch in der Nachbarschaft“, fasst Sigrid Kallfaß die Ergebnisse des Forschungsberichtes Altern und Versorgung im nachbarschaftlichen Netz eines Wohnquartiers zusammen, der jetzt als Buch bei Springer VS erschienen ist. Die auf drei Jahre angelegte Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geht der Frage nach, ob es in städtischen Quartieren (noch) Nachbarschaften gibt und wie ältere Menschen auch bei zunehmender Hilfebedürftigkeit unterstützt werden können, in ihrer bisherigen Wohnung oder ihrem bisherigen Wohnhaus zu bleiben. Das Ergebnis zeigt, dass eine gezielte Gestaltung eines Wohnquartiers sorgende Gemeinschaften entstehen lässt, die sowohl für die Stadtplanung als auch für die Altenhilfeplanung und die Wohnungswirtschaft von hohem Interesse sind – insbesondere vor dem Hintergrund des wachsenden demografischen Wandels.

„Die familiäre Hilfe ist rückgängig, und die ehrenamtlichen Strukturen sind zunehmend überbeansprucht“, bringt Sigrid Kallfaß das Problem auf den Punkt. Neue Antworten auf die Herausforderungen der Gesellschaftsalterung und des gleichzeitigen Wunsches, den Anteil der in der eigenen Häuslichkeit versorgten alten Menschen zu erhalten, seien notwendig. Am Beispiel eines kleinen Wohnquartiers in der baden-württembergischen Stadt Ravensburg hat das kooperative Forschungsprojekt des BMBF die Bedeutung der Nachbarschaft in der Alltagspflege und -versorgung älterer Bewohner und entsprechende Förderungsmöglichkeiten herausgearbeitet. So wurde geprüft, welche Möglichkeiten die am Projekt beteiligte Wohnungsbaugenossenschaft im Rahmen ihrer Mitgliederförderung hat, und ob die Kooperation mit dem ebenfalls beteiligten Altenhilfeträger so ausbaufähig ist, dass alle einen Mehrwert haben: „Der Mehrwert ist für die Bewohner ein Mehr an nachbarschaftlichem Miteinander und für die Älteren ein Mehr an Versorgungssicherheit – für die Wohnungsbaugenossenschaft mehr regionale Attraktivität und für den Altenhilfeträger ein Wissenszuwachs für eine zukunftsfähige, flexible Altenhilfe.“

Drei Jahre lang plante, beobachtete und evaluierte die Projektgruppe die mehrdimensional angelegte nachbarschaftliche Förderung des städtischen Wohnquartiers in Ravensburg. Anschließend verglichen sie den Status Quo der generationenbezogenen und -übergreifenden Sorge füreinander mit den Haltungen und Lebensweisen in vergleichbaren, aber nicht geförderten Quartieren. Als erfolgreiche Mittel des Wohnungsbauträgers erwiesen sich seniorengerechtes Sanieren, Umzüge in ebenerdigen Wohnraum und bevorzugte Familienzusammenführung. Auch der Altenhilfeträger konnte einiges beitragen, so Kallfaß: „Der Altenhilfeträger in unserem Projekt gestaltete seine klassischen Hilfestrukturen wie ambulanter Dienst, organisierte Nachbarschaftshilfe, betreutes Wohnen, Mittagstisch oder Freizeitangebote im Heim so niederschwellig, dass auch Quartiersbewohner, die das Kernangebot nicht nutzen, diese offenen Hilfen in Anspruch nahmen.“

Zusammenfassend zeigte sich, dass die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen, von den Maßnahmen der Förderung des Miteinanders profitierte. Die Studie liefert damit wichtige Aspekte zur Förderung einer Generationenbeziehung im nachbarschaftlichen Kontext, regt Kallfaß zur Nachahmung an: „Wenn alle Akteure im Rahmen eines gemeinwesenorientierten Konzepts zusammenarbeiten, können sie gemeinsam erfolgreiche Antworten auf den demografischen Wandel finden und soziales Miteinander nachhaltig sichern.“

Professor Dr. Sigrid Kallfaß leitet die Steinbeis Zentren Sozialplanung, Qualifizierung und Innovation in Weingarten und lehrte an der Hochschule Ravensburg-Weingarten.

Siehe auch


 

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Letzte Aktualisierung am: 11.09.2015, 16:33 




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