SEITE BEARBEITEN >>

RATGEBER ALTENHEIM

Fast die Hälfte der Pflegegeldbezieher wird ausschließlich von Angehörigen betreut. Häufig aus finanziellen Gründen, manchmal, weil in der Gegend kein mobiler Hilfsdienst verfügbar ist und sehr oft aufgrund von Ängsten und Vorbehalten gegenüber Alten- und Pflegeheimen. Über letzteres haben nun drei österreichische Autorinnen eine Mappe, nein, vielmehr einen praxisorientierten und objektiven Ratgeber geschrieben.

Denn häufig können diese Vorbehalte durch frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema „Altenheim: Ja oder Nein?“ aus der Welt geschafft werden – und so älteren Pflegebedürftigen einen würdigen letzten Lebensabschnitt ermöglichen und gleichzeitig die Belastung der Angehörigen massiv verringern.

80 Prozent pflegender Angehöriger leiden unter psychischen Belastungen

Von den derzeit in Österreich lebenden rund 440.000 Pflegegeldbeziehern wird etwa die Hälfte davon (48%) ausschließlich von Angehörigen betreut. Dazu kommen laut einer Studie des Sozialministeriums rund 42.700 Kinder und Jugendliche, die diese schwierige Aufgabe übernehmen (müssen). Aufgrund der Überalterung der Bevölkerung rechnet man bis 2020 mit einer Bedarfssteigerung von 60% mehr Einsatzstunden in der mobilen Pflege und 6400 mehr Vollzeit-Pflegekräften im mobilen Dienst. Dazu kommt, dass Experten mit einer Verdopplung der Demenzerkrankungen in den nächsten 20 Jahren rechnen. Rund 80% der pflegenden Angehörigen fühlen sich überlastet und leiden unter psychischen Beschwerden. Kein Wunder, sind doch rund 40% davon auch noch erwerbstätig.

Unabhängiger Ratgeber

Oft entspricht die Pflege zu Hause dem Wunsch der pflegebedürftigen Person. In vielen Fällen sind die Gründe aber Ängste und Vorbehalte gegenüber Alten- und Pflegeheimen – sowohl bei Betroffenen wie auch bei Angehörigen. Dass dies nicht so sein muss, haben nun drei Autorinnen aus dem Raum Linz – Sandra Mörixbauer, Veronika Plasser und Anna Weiler – in ihrem Behelf für die Seniorenarbeit „Wenn ich mal ins Altenheim ...“ dargestellt. Er unterstützt – sehr praxisorientiert – bei der Auseinandersetzung mit der Frage „Altenheim: Was ist das eigentlich?“.

Wenn ich das gewusst hätte!

„Wenn ich gewusst hätte, wie es im Altenheim ist, dann wäre ich schon viel früher hingegangen“, meint die damals 98jährige Theresia Drimml, Großmutter einer der Autorinnen. Und die 1911 geborene Verena Imhof schwärmt: „Die liebevolle Zuwendung des Personals verkürzt mir die Tage“. Beide Aussagen stehen im krassen Gegensatz zu den immer noch vielerorts herrschenden Berührungsängsten vieler betagter Menschen, wenn es um das Thema Umzug ins Altenheim geht.

Dies hat die Autorinnen motiviert, einen Behelf zu erarbeiten, der sich mit den Chancen und Möglichkeiten im Altenheim auseinandersetzt: praxisbezogen, persönlich und objektiv. Der Behelf versteht sich nicht als Werbung für Altenheime, sondern bietet sachliche Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit dem Thema. Erschienen ist das Werk „Wenn ich mal ins Altenheim...“ als Loseblattsammlung in Mappenform 2012 im Linzer Wagner Verlag.

„Das ist nun mein zu Hause“

Eine der Autorinnen, Sandra Mörixbauer, kennt die Situation aus eigener Erfahrung: „Meine Großmutter wollte sehr lange nicht ins Altenheim, weil sie nur schlimme Dinge darüber gehört hat. Nach einem Sturz im Haus und dem darauffolgenden Krankenhausaufenthalt erkannte sie aber, dass es für sie zu gefährlich wurde, alleine zu leben.“

Motiviert von dieser persönlichen Erfahrung und zahlreichen Gesprächen mit älteren Menschen, begann Mörixbauer über das Bild des Altenheims in unserer Gesellschaft nachzudenken. Sie stellte fest, dass mehr Ängste und Widerstände als positive Assoziationen in Bezug auf das Leben dort bestehen. „Meine Großmutter hatte sehr viele Ängste, die sich dann aber als unberechtigt herausgestellt haben. Letztlich meinte sie sogar lächelnd: ‚Das ist nun mein zu Hause’. Ich denke, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Sie übersiedeln mit Angst ins Altenheim und sind nach der Umstellungsphase häufig sehr zufrieden und glücklich dort. Deshalb möchte ich über die Situation im Altenheim aufklären und dazu beitragen, dass Bedenken und Sorgen in diesem Zusammenhang abgebaut werden können“, erklärt die Autorin.

Dies gelingt. Sehr gut sogar. Das Werk kommt nicht als Werbung für Altenheime daher. Es bietet vielmehr zahlreiche, gut recherchierte Informationen und Anregungen, wie das Thema frühzeitig zur Sprache gebracht werden kann. Dies erleichtert Betroffenen wie Angehörigen die Entscheidungsfindung, ob ein Umzug ins Alten- oder Pflegeheim möglich und gewünscht ist.

Praktische Unterstützung für die Seniorenarbeit

Die Zusammenstellung der Themen auf rund 100 Seiten ist im deutschsprachigen Raum bisher einzigartig. Die Inhalte reichen von Finanzierung, über Aufbau des Pflegestufensystems bis hin zu Anforderungen und Chancen des Alters sowie den Umgang mit Ängsten und Sorgen von Betroffenen und Angehörigen. Aufgewertet wird das Werk durch einen sehr praxisorientierten Zugang, der u. a. eine Checkliste für die Auswahl des geeigneten Altenheims, Buch- und Linktipps sowie Gespräche mit Seniorenheimbewohnern, Angehörigen, einer Pflegerin und einem Heimleiter enthält.

Dieser Behelf soll aber nicht nur Angehörigen und älteren Menschen, sondern auch Beschäftigten in der Seniorenarbeit als Unterstützung dienen. Etwa als Vorbereitung für einen Informationsabend. Im Serviceteil findet man deshalb zahlreiche praktische Anregungen, wie so eine Veranstaltung gestaltet werden kann. Sei es mit einem kommentierten Filmtipp oder interaktiven Anleitungen für die Auseinandersetzung mit Fragen wie „Was bedeutet ‚wohnen’ für mich?“ bzw. „Wie gelingt das Loslassen von zu Hause?“.

Sich frühzeitig mit dem Thema Altenheim auseinandersetzen

Alles in allem ist es den Autorinnen gelungen, die Vor- und Nachteile eines Umzugs in ein Alten- oder Pflegeheim darzustellen. Nicht zuletzt, um Betroffene anzuregen, frühzeitig über dieses Thema nachzudenken und Informationen einzuholen. Denn, so die Autorinnen: „Schließlich hängt der Aufenthalt in einem Heim nicht nur von der Qualität der Einrichtung, sondern wesentlich auch von der Einstellung des Bewohners ab.

Bestellmöglichkeit

Sandra Mörixbauer, Veronika Plasser und Anna Weiler: "Wenn ich mal ins Altenheim..."´. Erschienen 2012 im Wagner Verlag, Linz. ISBN 978-3-902330-71-0. Ein Liste der Buchhandlungen, die den Behelf führen erhalten Sie von Sandra Mörixbauer, E-Mail: SandraMoerixbauer@gmx.at oder per Telefon unter 0676 / 93 85 941.

Siehe auch

















 

 Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte informieren Sie uns über allfällige Fehler oder korrigieren Sie diese selbst!

Letzte Aktualisierung am: 27.04.2013, 12:50 




[Werbung/PR]