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SEELISCHER BEISTAND

Wie ist einem Menschen zu helfen, der angesichts einer Lebenskrise Ermutigung oder Ermahnung braucht? Wie können wir jemanden helfen, der gefangen ist, schwer erkrankt ist, verfolgt, oder im Sterben liegt? Das sind die zentralen Fragen, mit denen sich der seelische Beistand heutzutage beschäftigt.


Foto: © Andreas Hollinek

Auch wenn der Anspruch des Menschen, anderen Menschen in Notsituationen zu helfen und Beistand zu leisten, so alt wie die Menschheit selbst ist, wird der Begriff des seelischen Beistands kulturgeschichtlich von einem christlichen Kontext geprägt. So erklärt es sich, dass die ersten Ansätze des seelischen Beistands darauf abzielten, einen Menschen zu helfen, indem seine Beziehung zu seiner Religiosität gestärkt wurde. Später, im Mittelalter etwa, standen der gemeinsame Kampf von Betroffenen und Seelsorgern gegen die Sünde sowie das Streben nach Vergebung im Vordergrund. Ab den 20. Jahrhundert, vor dem Hintergrund einer immer stärker werdenden Trennung zwischen Medizin und Religion, rückte die individuelle Entscheidungsfreiheit der betroffenen Gemeindemitglieder im Vordergrund. Diese Tendenz führte schließlich einerseits zum gegenwärtigen Ansatz der Biblisch-Therapeutischen Seelsorge hin und andererseits zu einer Öffnung der Praxis der Seelsorge für alle Menschen, unabhängig davon, ob und welcher Religion sie angehören.

So findet heute die Seelsorge in einem interreligiösen, eher sozial geprägten Kontext statt. Ob Agnostiker, Atheist, Buddhist, Christ, Jude oder Muslim, jeder Hilfesuchende hat das Recht, sich Gesprächspartnern im eigenen Glaubenskontext anzuvertrauen, mit denen er seine Bedürfnisse und Anliegen besprechen kann. Hinzugekommen sind außerdem unterschiedliche Handlungsfelder sowie neue Wege der Kommunikation; angefangen von der Telefonseelsorge, über den seelischen Beistand bei Krankheit, die Sterbebegleitung bis hin zur Begleitung von Gefangenen. Gemeinsam ist all diesen Variationen des seelischen Beistands der Anspruch, die Betroffenen in all ihren Lebens- und Glaubensfragen zu begleiten.

In der Pflege erfüllt der seelische Beistand heute also viele unterschiedliche Aufgaben. So erklärt es sich, dass, obwohl die moderne Medizin zu einer Trennung von Medizin und Religion geführt hat, das Thema Spiritualität am Krankenbett wieder aktuell ist. Denn längst hat die Medizin wieder entdeckt, dass der Geisteszustand mit all seinen psychologischen Zuständen und spirituellen Ansichten sich genauso auf die körperliche Gesundheit auswirken kann, wie die körperliche Verfassung auf den Geist. Aus dieser Erkenntnis heraus ist der seelische Beistand in der Pflege heute viel mehr ein wichtiger Aspekt innerhalb eines multidisziplinären Ansatzes; ein Ansatz, der integrativ sowohl die physischen als auch die sozialen und spirituellen Aspekte der menschlichen Gesundheit berücksichtigt und behandelt.

Der seelische Beistand in der patientenzentrierten Pflege erfordert also kontinuierliche Weiterbildung und Spezialisierung. Diesen Umstand demonstrieren beispielhaft spezielle Fachgebiete wie die Seelsorge für Kinder, die Pflege von Menschen mit veränderten Bewusstseinszuständen oder die medizinische Versorgung im Palliativen Kontext (siehe auch Stichwort Palliativpflege).

Seelischen Beistand anfordern


Wie kann also einem Menschen geholfen werden der angesichts von Krankheit Ermutigung oder Ermahnung braucht? Die Patienten oder Angehörige nehmen Kontakt mit den Seelsorgern im jeweiligen Krankenhaus oder im Rahmen der eigenen Glaubensgemeinschaft auf, und die Seelsorger nehmen sich die Zeit, den Patienten zuzuhören und darüber zu sprechen was sie bewegt.

Anerkannte Religionsgemeinschaften in Österreich

Die gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften und Kirchen in Österreich sind:
  • Altkatholische Kirche
  • Armenisch-apostolische Kirche
  • Buddhistische Religionsgemeinschaft
  • Evangelische Kirche (aufgeteilt in Augsburgisches Bekenntnis und Helvetisches Bekenntniss)
  • Griechisch-orientalische Kirche
  • Herrnhuter-Brüderkirche (die derzeit jedoch keine Gemeinde in Österreich haben)
  • Islam
  • Israelitische Religionsgemeinschaft
  • Jehovas Zeugen
  • Katholische Kirche (römisch-katholischer, griechisch-katholischer und armenischer Ritus)
  • Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen)
  • Methodistenkirche
  • Neuapostolische Kirche
  • Syrisch-Orthodoxe Kirche in Österreich

Siehe auch


 

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Letzte Aktualisierung am: 11.09.2015, 15:46 




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