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SELBSTBESTIMMUNG

Wenn wir genau beobachten, ist die Selbstbestimmung das In-Anspruch-Nehmen des Rechtes auf Mündigkeit, das Fundament einer jeden demokratischen Gesellschaft. Von der Kindheit bis ins hohe Alter hinein, unsere Gesellschaft basiert auf der Praxis der Mündigkeit.

Seit der frühesten Kindheit begleiten uns Bildungskonzepte, die das Individuum als ein selbstständiges, aber auch funktionierendes Mitglied der Gesellschaft formen sollen, sodass, wenn wir soweit sind, wir sowohl unsere Rechte als auch Pflichten in der Gesellschaft wahrnehmen können. Rechte und Pflichten die uns unsere Leben lang zeigen, dass unsere Freiheit dort zu Ende ist, wo die Rechte des anderen beginnen, gleichzeitig aber das Wahrnehmen unserer Rechte eine Pflicht ist. Das Streben nach Selbstbestimmung wird uns also seit frühester Kindheit in die Wiege gelegt und dieses Streben impliziert, selbstständig und autonom über unseren Verstand und unseren Körper zu verfügen.

In unserer Gesellschaft ist das Recht auf Selbstbestimmung ein zentrales Recht, das für alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Religion, Alter oder Gesundheitszustand gilt. Ein Recht, das zwar alle Mitglieder der Gesellschaft haben, aber nicht von allen Teilnehmern der Gesellschaft in Anspruch genommen werden kann. Zu diesen Fazit gelangt man schnell, wenn man berücksichtig, wie viele Barrieren Kranke, Menschen mit Behinderung und ältere Menschen überwinden müssen, um gemäß ihren Vorstellungen leben zu können. Denn wenn die sozialen Kontakte fehlen, wenn das Geld weniger ist, wenn Gebrechlichkeit oder Pflegebedürftigkeit vorliegt und man unbedingt auf die Hilfe anderer selbst für die simpelsten Tätigkeiten angewiesen ist, ist selbstbestimmt zu leben oft eher ein Ideal und nicht die Realität. Lediglich ein Ideal, weil, auch wenn der Anspruch der Gesellschaft jener ist, dass jeder Mensch sein Leben im Alter genauso frei gestalten können sollte wie ein gesunder und junger Mensch, unerfüllbar ist. Vielleicht aus dem Wissen um die Unerfüllbarkeit dieses Anspruches, aber aus der Notwendigkeit heraus, sich dieser Vorgabe trotzdem nähern zu wollen, ist die Patientenzentrierte Pflege entstanden, welche konkrete Schritte entwickelt hat, um den Patienten soweit wie möglich Selbstbestimmung zu ermöglichen.

In der Pflege, also bei Krankheit, Behinderung oder im Alter, besteht deshalb der erste Schritt darin, den Betroffenen ein stabiles Betreuungsnetz anzubieten. Von einer geeigneten Betreuung aus können alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet werden, um die Selbstbestimmung der Betroffenen zu stärken. Diese Maßnahmen sind auf die individuellen Bedürfnisse anpassbar, jedoch bevor sie in Anspruch genommen werden können, müssen die Betroffenen zuerst überhaupt über das Wissen verfügen, welche Möglichkeiten es zu der Unterstützung zum Erhalt der Selbstbestimmung gibt. Aus dieser Situation heraus, aus der Pflegebedürftigkeit, ergibt sich der nächste Schritt von selbst, denn damit eine Entscheidung darüber erfolgt, wie es weiter gehen soll, ist es notwendig, dass die Betroffenen ihre Entscheidungen frei von Schmerzen und Ängsten treffen können.

So ist eine der ersten Maßnahmen der Palliativpflege und der Pflege allgemein, die Fähigkeit zur Selbstbestimmung der Patienten zu stärken, indem die körperlichen Leiden gelindert werden. Auf dieser Weise können meistens durch die richtige Wahl der Behandlungsmethoden die letzten Lebensmonate weitgehend schmerzfrei gelebt werden. Die Entscheidung in Schmerzfreiheit gewährleistet, dass alles, was geschieht, dem Willen des Patienten entspricht. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es nicht nur, dass Wünsche in einer Patientenverfügung festgehalten werden können, sondern dass diese jederzeit auch angepasst werden können. Auf dieser Weise wird in jeder Phase des Lebens und trotz Krankheit dem Recht auf individuelle Selbstbestimmung Genüge getan und sogar die letzte Etappe des Lebens kann als ein Akt der Würde und der Zuwendung erlebt werden.
 

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Letzte Aktualisierung am: 03.06.2013, 21:34 




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