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SEXUALBEGLEITUNG

Professioneller Umgang mit sexuellen Bedürfnissen von Alten und Behinderten wird in Heimen nicht einheitlich geregelt. SexualbegleiterInnen haben sich schon längst auf ihre Kunden eingestellt und fordern von Pflegekräften einen offeneren Umgang mit dieser Problematik. Was in Holland oder Dänemark wesentlich toleranter gehandhabt wird, ist im deutschsprachigen Raum immer noch ein Tabuthema: Sexualität in Altenpflegeheimen. Heime, die einen offeneren Umgang gestatten, berichten, dass sich nach Sexualkontakten auch die Pflege am Bedürftigen einfacher gestaltete. Zwar gestehen viele Verantwortlich alten Menschen das Recht zu, ihre Sexualität auszuleben, in der Praxis hängt die Verwirklichung dieser Sehnsüchte ganz von der Haltung und Toleranz einzelner Pflegekräfte ab. In einem Artikel des Pflegemagazins "Heilberufe" wird die Thematik "Sexualbegleitung in Alten- und Pflegeheimen" aus Sicht der Pfleger, der Angehörigen und der in Deutschland bereits in Heimen tätigen Sexualbegleiter dargestellt.

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In der Thematik bewanderte Pflegekräfte sehen in Deutschland einen enormen Handlungsbedarf – beispielsweise verabreiche man älteren Menschen gerne Medikamente, um ihre sexuellen Bedürfnisse zu unterdrücken. "Was in der Behindertenarbeit möglich ist, ist in der Altenpflege noch weit entfernt", führt eine Pflegekraft in Heilberufe weiter aus. Allerdings gibt es schon einen Anbietermarkt, der sich genau diesen Bedürfnissen stellt: sogenannte Sexualbegleiter, die sich auf die Wünsche der Alten einstellen. "Ältere Menschen wollen ihre Lust nicht allein durch Pornohefte stillen. Ihrem Wunsch nach Nähe oder Zärtlichkeit kommen wir genauso gerne nach, wie den Menschen entsprechend zu betten oder das Zimmer 'hinterher' aufzuräumen. Das gehört alles zu unseren selbstverständlichen Aufgaben,“, so kommentiert eine Sexualbegleiterin in dem Beitrag.

Geschlechts-, Oral- und Analverkehr bzw. Zungenküsse zählen nicht zum Leistungsspektrum von SexualbegleiterInnen (das wäre dann als Prostitution zu werten). "Barrieren zu einem offenen Umgang schafft oft das Pflegepersonal in den verschiedenen Einrichtungen. Sie sollten sich viel mehr öffnen und losgelöst von eigenen moralischen Bewertungen im Sinne ihrer Heimbewohner handeln", führt sie weiter aus. Einige Heime haben zwar erste Weichen gestellt, indem sie ein abschließbares Besuchszimmer eingerichtet haben, um dort ungestört zu sein. Darüber hinaus sollte weitaus mehr geschehen.

Derzeit sind es die SexualbegleiterInnen selbst, die die Problematik im Rahmen von Fortbildungen in Altenheimen erläutern. Allerdings sollte die Thematik bereits im Lehrplan in den Altenpflegeschulen und anderen Ausbildungsstätten verankert werden. Hier tut noch viel Aufklärung Not.

Der Beitrag "Das doppelte Tabu" der Medizinjournalistin Ines Landschek, Berlin, ist in der Zeitschrift "Heilberufe" erschienen (Ausgabe vom Juni 2011; Verlag Urban & Vogel / Springer Medizin Verlag). Zum Thema Sexualbegleiter / Sexualbegleiterinnen siehe auch http://www.50plus.at/sexualitaet/sexualbegleitung.htm.

Siehe auch


 

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Letzte Aktualisierung am: 05.04.2013, 15:25 




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