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TECHNISCHE PFLEGEHILFSMITTEL

Intelligente Technologie soll das selbstbestimmte Leben für ältere Menschen und deren Angehörige unterstützen und verbessern. Am e-Health Network Day Salzburg widmete man sich am 14.11.2013 dem Thema „Mobilität im Alter: Innovative Assistenzdienste und -systeme“.

Der „team-up! E-Health Network Day Salzburg unter Schirmherrschaft des Kompetenzschwerpunkts e-Health bei Salzburg Research bietet eine regelmäßige Plattform für e-Health-relevante Themen in Salzburg und vernetzt Wirtschaft, Forschung und Gesundheitswesen.
Beim 5. E-Health Network Day gaben Expertinnen und Experten Einblicke in das Potenzial innovativer Assistenzdienste aus Sicht von Gesundheitsdienstleistern und sozialen Diensten wie auch der Forschung. Am runden Tisch wurde Fragen zu Ethik, Datenschutz und Business Modelle erörtert.

Sinkende Geburtenzahlen und steigende Lebenserwartung prägen die demografische Entwicklung in den Industrieländern. Parallel dazu nehmen altersassoziierte Krankheiten wie Demenz, Altershypertonus oder Diabetes mellitus Typ 2 immer weiter zu. Dies führt zwangsläufig zu einem erhöhten Bedarf an Assistenz und Betreuung, welcher Analyst/-innen zu Folge zunehmend schwerer zu bewältigen sein wird. „Sowohl Fachkräfte wie auch pflegende Angehörige werden in Relation zur Anzahl pflegebedürftiger Menschen weniger. Zukünftig könnten hier innovative Assistenzdienste und -systeme für ältere Menschen die Möglichkeit bieten, länger autonom, aktiv und mobil zu leben“, sind sich Monika Wild vom Österreichischen Roten Kreuz und Monika Gugerell vom Hilfswerk Österreich einig. „Ältere Personen sind durchaus Technik-affin. Eine Studie zur Selbstbestimmung im Alter zeigt, dass sich jeder zweite ältere Mensch technische Hilfen in der eigenen Wohnung zur individuellen Absicherung wünscht“, erläutert Monika Gugerell.

Ältere Menschen wollen ihren verdienten Lebensabend selbstbestimmt und möglichst eigenständig verbringen. Eine fortschreitende gesundheitliche oder geistige Beeinträchtigung stellt in diesem Zusammenhang jedoch eine beachtliche Herausforderung für das Gesundheitswesen dar. Informationstechnologie (IT) kann hier helfen: Die Forschungsgesellschaft Salzburg Research arbeitet gegenwärtig gemeinsam mit dem Hilfswerk Salzburg, Gesundheitsnetzwerk.at und der ilgos mobile software GmbH an zukunftsweisender Technologie für ältere Menschen.

„Mobilität erhöht die Lebensqualität! Schon eine Stunde Spazierengehen erspart so manches Medikament“, gibt Hermann Hagleitner vom Hilfswerk Salzburg zu bedenken. „Wir wollen also die Menschen in Bewegung halten. Gerade hier werden in den kommenden 15 Jahren technologische Assistenzsysteme immer bedeutsamer, um das individuelle Sicherheitsbedürfnis der betroffenen Personen bei ihren Aktivitäten außer Haus und die Sorge und Aufsichtsverantwortung der pflegenden Angehörigen zu bedienen.“

Die Salzburger Wissenschafter nutzen den Siegeszug der mobilen Endgeräte: mit Hilfe von Beschleunigungssensoren in handelsüblichen Smartphones und maßgeschneiderter Software wird das Gerät zum potenziellen Lebensretter: „Bestimmte Erkrankungen im Alter bringen ein erhöhtes Sturzrisiko mit sich. Das am Körper getragene Handy erkennt, wenn die Person stürzt bzw. sich über längere Zeit nicht bewegt und schlägt Alarm“, erklärt Cornelia Schneider, Leiterin des Kompetenzschwerpunktes e-Health bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. „Für uns Wissenschafter bedeutet dies in den vergangenen Monaten: Stürzen für die Forschung! Aus den vielen Teststürzen konnten wir wichtige Erkenntnisse erzielen, mit deren Hilfe der Prototyp für ein Assistenzsystem weiter verbessert werden konnte“, so Schneider weiter.

Zum erhöhten Sturzrisiko kommen, vor allem bei Demenzkranken, teilweise auch Orientierungsprobleme hinzu. Auch hier kann Informationstechnologie unterstützend eingesetzt werden: Verlässt die Person eine vorher abgestimmte Bewegungszone für eine bestimmte Zeit und in einer bestimmten Entfernung, wird alarmiert und die Person kann – wenn im Vorfeld mit ihr abgestimmt – lokalisiert werden. „Das System ist so konzipiert, dass es diskret im Hintergrund arbeitet und nur in Notfällen unterstützend eingreift. Die jeweiligen Bewegungszonen, Zeitfenster und Entfernungen werden mit den Betroffenen und ihren Betreuungspersonen – Angehörige oder Gesundheitsdienstleister – individuell abgestimmt“, erklärt Schneider weiter.

Im Unterschied zu bestehenden Lösungen können Angehörige bzw. Pflegekräfte den Alarmierungsprozess abhängig von der jeweiligen Lebens- und Gesundheitssituation mit flexiblen Zuständigkeiten und stufenweiser Alarmierung adaptierbaren. Die „intelligenten Bewegungszonen“ sorgen dafür, dass das System bestmögliche Notfallerkennung ohne Einschränkung der persönlichen Freiheit garantiert. Die ilogs mobile software GmbH arbeitet nun daran, das vorhandene Pilotsystem zur Marktreife zu bringen. „Noch sind wir mit den mobilen Endgeräten für die betroffenen Personen noch nicht ganz am Ziel, das Gesamtsystem wird von der Pilotgruppe dennoch schon sehr gut angenommen“, erklärt Walter Liebhart von ilogs.

Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung und Praxis, von mobilen sozialen Diensten, vom Land Salzburg und von der Datenschutzkommission diskutierten beim 5. Salzburger E-Health Day das Thema „Ambient Assisted Living“ (AAL) – also das technologie-unterstützte Leben im Alter – auch in Bezug auf zentrale Versorgung, Beratung, Ethik und Datenschutz sowie Business-Modelle. Die Expertinnen und Experten waren sich einig: Die neuen Technologien bieten Komfort und Sicherheit, speziell im Präventionsbereich. Technik wird Studien zufolge jetzt schon von betroffenen Personen angenommen – in den künftigen Jahren wird diese Akzeptanz weiter steigen: Wer heute ein Smartphone nutzt, wird es auch im Alter tun. Pflegeperson, pflegender Angehöriger und betroffene Person müssen in einem partnerschaftlichen Miteinander stehen, und alle Partner müssen hinter dem technologischen System stehen.

Allen Sorgen der Angehörigen zum Trotz hat aber ein hilfebedürftiger Mensch das Recht zu bestimmen, was er/sie möchte – und was nicht. Die Datenschutzkommission hat auch im Bereich AAL ein strenges Auge auf derartige technologische Entwicklungen: Da viel möglich ist, liegt die Verlockung nahe, auch Funktionen in Systeme hineinzupacken, die die Privatsphäre von Betroffenen verletzt. Nicht zuletzt muss jede Technologie immer individuell an die jeweilige Lebenssituation des Betroffenen angepasst sein und darf niemals den menschlichen Kontakt ersetzen. Technologie ist kein Ersatz für menschliche Betreuung, sondern nur Unterstützung.

Das vorgestellte Forschungsvorhaben „SafeMotion“ wurde im Programm „benefit – Intelligente Technologie für ältere Menschen“ des BMVIT und der FFG gefördert.
 

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Letzte Aktualisierung am: 15.11.2013, 11:34 




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