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WER PFLEGT MICH IM ALTER

Europa steht nicht nur vor der Herausforderung einer immer älter werdenden Bevölkerung, sondern auch einer schrumpfenden Anzahl von formalen Pflegekräften. Die Bürde tragen vielfach die betroffenen Familien. Das neu gestartete EU-Projekt „CareInMovement (CiM)“ betrachtet den Bereich der mobilen Pflege ganzheitlich und will mit Hilfe von IT-gestützten Serviceinnovationen in zwei Bereichen unterstützen: Ältere, pflegebedürftige Personen sollen einerseits ihren aktuellen Gesundheitsstatus möglichst lange erhalten können. Andererseits sollen Freiwillige in den Pflegebereich eingebunden und die Kommunikation zwischen informeller und formeller Pflege verbessert werden.

Wer wird mich pflegen, wenn ich alt bin? Diese Frage drängt sich immer mehr ins Bewusstsein auch jüngerer Menschen. „Wir werden immer älter, immer mehr Menschen brauchen Pflege im Alter. Derzeit sind im Bundesland Salzburg rund 100.000 Menschen über 65 Jahre alt, knapp ein Drittel davon hat Pflegebedarf. Im Jahr 2050 werden bereits über 160.000 Menschen über 65 sein, über 50.000 davon werden Pflege und Betreuung brauchen. Das bedeutet, dass wir allein in Salzburg bis dahin rund 500 zusätzliche Pflegekräfte in ambulanten sozialen Diensten benötigen – ein Bedarf, den wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht decken werden können“, sagt Hermann Hagleitner, Geschäftsführer des Hilfswerk Salzburg. Daher sind für diese Herausforderungen neue Ideen gefragt: „Schon heute halten unterschiedliche IT-gestützte Assistenzsysteme vermehrt Einzug in den Gesundheits- und Pflegesektor. IT kann bei der Koordination, bei der Dokumentation oder Motivation aller Beteiligten helfen und dadurch entlasten“, sagt Cornelia Schneider, Projektleiterin des EU-Projektes CiM und Leiterin des Forschungsschwerpunktes e-Health bei Salzburg Research.

Im aktuellen Forschungsvorhaben kümmern sich die Expertinnen und Experten aus den Bereichen Pflege, Forschung und Wirtschaft um zwei Bereiche: die Mobilität und Gesundheit der zu pflegenden Personen sowie neue Lösungen, wie informelle Pflegekräfte sinnvoll und nachhaltig in die Pflege eingebunden werden können.
Mobil heißt gesund

„Je länger ältere Personen selbständig und mobil bleiben können, desto leichter kann Gesundheit aufrechterhalten werden“, weiß Hermann Hagleitner, Geschäftsführer des Hilfswerk Salzburg. „Daher entwickeln wir im Forschungsprojekt Bewegungsförderungsprogramme und geeignete Motivationsmaßnahmen. Hier kommen Konzepte wie zum Beispiel Gamification zum Einsatz: Durch spielerische Elemente und Anreize werden Personen dazu motiviert, die Übungen auch tatsächlich durchzuführen“, erklärt Projektleiterin Cornelia Schneider.
Informelle und formelle Pflege für mehr Lebensqualität

Neben den zu pflegenden Personen und ihren Angehörigen haben auch mobile Dienste, sowie freiwillige Helfer einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensqualität aller beteiligten Personen. In CareInMovement sollen alle am Pflegeprozess Beteiligten bestmöglich unterstützt werden. Dies erfolgt über unterschiedliche Anreize. Ein Bewegungsprogramm für alle Gruppen sorgt für mehr Wohlbefinden, Schulungsmaßnahmen für informell Pflegende sowie eine Kollaborationsplattform unterstützen die Zusammenarbeit zwischen informeller und formeller Pflege und eine Zeitbank ermöglicht Transparenz hinsichtlich Freiwilligenarbeit.

IKT-System als Unterstützung

Die geplante IKT-unterstützte Serviceinnovation für den Pflegebereich wird unter anderem folgende drei Bereiche umfassen:

IT-gestützte Förderung physischer Aktivitäten: Durch Bewegung soll die Lebenssituation von zwei Personengruppen verbessert werden: Zum einen soll die Mobilität von Menschen aufrecht erhalten und gefördert werden, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparats leiden. Auf der anderen Seite wird auch die physische Leistungsfähigkeit von freiwilligen Helferinnen und Helfern unterstützt, die informell Betreuungs- und Pflegeaufgaben übernommen haben. Zu diesem Zweck wird ein Bewegungsprogramm ausgearbeitet, mit dem ältere Menschen und deren betreuende Angehörige sowie Freiwillige mit Hilfe von mobilen Endgeräten auf sie zugeschnittene Übungen durchführen bzw. ihren Übungsverlauf beobachten und bewerten können.

Standardisiertes Schulungs- und Kommunikationssystem: Betreuende Angehörigen und professionelle Pflege- und Betreuungskräfte sollen mit Hilfe eines standardisierten Schulungs- und Kommunikationssystems den gegenseitigen Informationsbedarf decken und Betreuungsabläufe besser koordinieren können.

Elektronische Zeitbank: Ein elektronisches Zeitbanksstem soll freiwillige Hilfe und Unterstützung durch Nicht-Familienmitglieder attraktiver machen und zur freiwilligen Tätigkeit anregen. Personen, die zum Beispiel ältere Menschen bei ihren Bewegungsübungen begleiten, können sich die aufgewendete Zeit in einem Zeitkonto gutschreiben lassen. Diese Zeitgutschriften können für allfällige Unterstützungen in anderen Bereichen eingelöst werden.

Rund 400 am Pflegeprozess beteiligte Personen aus Österreich und Italien werden als Lead User und Testerinnen und Tester das angedachte Betreuungssystem testen.

Das Forschungsvorhaben „CiM – Care In Movement“

Im Forschungsprojekt arbeiten etablierte Pflegedienstleister gemeinsam mit Forschungseinrichtungen und Industriepartnern. Ziel ist, dass die beteiligten Wirtschaftspartner (Teil-) Ergebnisse der dreijährigen Forschungsarbeit auf den Markt bringen. Das Forschungsprojekt wurde Anfang Oktober bei einer Kick-off-Veranstaltung in Salzburg gestartet und läuft bis 2018. Die Europäischen Union und die beteiligten Staaten fördern das Vorhaben im Active and Assisted Living Programme mit insgesamt 1,1 Mio. Euro.

Partnerorganisationen im Forschungsprojekt

  • Forschung: Salzburg Research Forschungsgesellschaft (Koordinator), Universität Salzburg und Wirtschaftsuniversität Wien.
  • Pflegedienstleister: Hilfswerk Salzburg und ALDIA Cooperativa Sociale (Italien).
  • Wirtschaftspartner: bit media e-solutions GmbH (Österreich), ByElement Solutions (Schweiz) und ilogs mobile software GmbH (Österreich).

 

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Letzte Aktualisierung am: 05.11.2015, 11:23 




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